Perfekte Ästhetik - mit Prof. Dr. Gutowski am Timmendorfer Strand!
von Cyril Niederquell
Fotos: Axel Moll von up to dent
Er kann’s!
Seine Anhänger wollen nicht lassen vom Meister der präzisen praktischen Zahnheilkunde. Ganze Heerscharen von Zahnärzten und Technikern weiblicher und männlicher Abstammung hat er bereits zu einer besseren Zahnheilkunde und Zahntechnik beflügelt. Und noch viele jungfräuliche Nachkommen warten, um von ihm zu lernen „wie’s geht“ – ganz abgesehen von den Wiederkehrern, Auffrischern, „Dauergutowskianern“.
Totalprothetik, Teilprothetik, Quadrantensanierung, indizierte Keramikversorgungen, Funktionsdiagnostik, Funktionstherapie: Diese fachlichen Rennpferde reitet er par excellance und par force, um sie gleichzeitig schon längst zu seinen Steckenpferden gemacht zu haben.
Seine Seminare sind fachliche Unikate mit höchstem persönlichen Erlebniswert!
Im winterlichen Timmendorfer Strand an der Ostsee wurden 130 Teilnehmer von Wilhelm Hakim, dem Geschäftsführer der Internationalen Fortbildungsgesellschaft (IFG), begrüßt und auf den vier Tage Keramik Intensivkurs mit Prof. Dr. Gutowski eingeschworen. Der Vortragssaal ist im Maritim Seehotel untergebracht. Beim Betreten des großen Saales ist man überwältigt von der zahnärztlichen und zahntechnischen Infrastruktur, die extra auf der Bühne aufgebaut worden ist: eine komplette KaVo Behandlungseinheit mit allen Anschlüssen, ein zahntechnisches Labor inklusive aller Materialien und Geräte sowie ein hochmodernes Video-Kamera-System, damit alle Details über zwei Leinwände und vier Fernseher übertragen werden können. Man hat das Gefühl, man schaut Prof. Dr. Gutowski in seiner Praxis mit Eigenlabor in Schwäbisch-Gmünd über die Schulter! Der Referent ist 73 Jahre alt und seit 35 Jahren steht er auf der Fortbildungsbühne.
Nach einem kurzen Scherz zur Auflockerung der Atmosphäre führt er an der ersten Live-Patientin sein Konzept der Patientenbegrüßung und Vorbereitung der Präparation vor. In aller Ruhe wird das Kausystem genauestens „unter die Lupe genommen“. Alle Befunde werden analysiert und besprochen. Besonderes Augenmerk legt der Referent auf die Bissposition der Patientin und das „okklusale Protokoll“ vor Anästhesie und Präparation. Der erste Fall sind zwei Teilkronen an 46 und 47. Es handelte sich um zwei alte Hybrid-Teilkronen, eine aus Gold und die andere aus Verblendkeramik mit einer Lebensdauer von ca. 15 Jahren. Das war kein einfacher Fall, denn nach Entfernung der alten Restaurationen waren beide Zähne kariös mit naher Nervbeziehung, also wie im täglichen Leben. Mit Kariesdetektor wurde die tiefrote Karies exkaviert, dann komplette Aufbaufüllungen gelegt und „aus den Vollen“ systematisch beschliffen.
Im Mund wurde unter Kofferdam mittels intraoraler Kamera das Bild auf die Leinwände übertragen. Dadurch ist der Teilnehmer hautnah mit dabei. Die Übertragungsqualität ist hervorragend. Es folgte die Hydrokolloid-Abformung, zweimal im UK und auch der Gegenkiefer mit Hydrokolloid. Die Abbindezeit beträgt sieben Minuten je Abdruck. Gegen 13.00 Uhr gab es ein leckeres Mittagessen im Restaurant des Maritim Seehotels mit Blick auf die Ostsee.
Danach wurden die Zahnkränze bearbeitet, das Sägemodell hergestellt; alles wie im ZPK Kurs. Gezeigt wurden die Probleme des täglichen Lebens, sowohlvon Labor- als auch von Praxisseite. Durch die gelungene Bühneninfrastruktur kann einfach zwischen den Laborschritten und „intraoral“ hin und her geschaltet werden. Das Publikum ist gemischt, drei Zahnarztgenerationen sind vertreten. Prof. Dr. Gutowski interagiert mit allen Anwesenden, er kommt häufig von der Bühne und geht durch die Reihen. Dabei befragt er gezielt einzelne Teilnehmer und behält dadurch die Aufmerksamkeit aller die ganze Zeit. Das Helferinnenteam auf der Bühne besteht permanent aus vier zusätzlichen Personen sowie zwei Zahnärzten die ihm „am Stuhl“ assistieren. Sein langjähriger Kameramann kümmert sich um die Videotechnik. Die zahntechnischen Arbeiten werden vom Meister aus seinem Praxislabor durchgeführt. Prof. Dr. Gutowski erläutert Schritt für Schritt jeden Behandlungsablauf und bietetbei auftretenden Problemen sofort Lösungen.
Das Fortbildungsprogramm richtet sich nicht nur an „alte Hasen“, sondern besonders an junge Zahnärzte! Dabei räumt er mit den unterschiedlichen Lehrmeinungen der einzelnen Zahnkliniken auf und gibt eindeutige Arbeitsanleitungen mit klaren Erläuterungen und Videodemonstration. Er veranschaulicht selbst banale Arbeitsschritte und zeigt aber gerade dort die häufigen Fehlerursachen. Zahlreiche „Sprüche“ und „Witze“ à la „Gutowski-Manier“ lockern die Atmosphäre und halten alle Teilnehmer bei Laune. Auch der zweite Tag beginnt pünktlich um neun Uhr vor vollem Hörsaal. Gezeigt wird das Ausbetten der über Nacht gepressten Keramik-Teilkronen. Dabei arbeitet der Meister-Techniker über Live-Video und ebenfalls mit Mikrofon. Prof. Dr. Gutowski sitzt oder steht daneben und moderiert, stellt Fragen, erzählt Witze beziehungsweise gibt seine Erfahrung mit seinen Empfehlungen an die Teilnehmer weiter.
Es folgt die Keramik-Ausarbeitung der Teilkronen sowie die Farbgestaltung. Nach der Mittagspause wurden die beiden Teilkronen bei der Patientin einprobiert. Dafür wurde eine spezielle Übungseinheit zum Thema „Adhäsives Zementieren unter Kofferdamisolation mit Komposit“ durchgeführt. Diese einfachen Tipps zum leichten Anlegen von Kofferdam hätte ich mir schon im Studium gewünscht.
Gerade die korrekte und souveräne Anlegetechnik mit System sollte verstärkt in den Universitäten gelehrt werden. Es ist vergleichbar mit den vielen Anästhesieübungen in allen klinischen Kursen zu Semesterbeginn.
Am dritten Tag stellt Prof. Dr. Gutowski einen neuen Patienten aus seiner Heimatstadt Schwäbisch-Gmünd vor. Bei diesem Patienten präpariert er vier Oberkiefer-Frontzahn-Veneers. Die Hydrokolloid-Abformung wird erneut in allen Teilschritten veranschaulicht sowie die direkte Provisoriumherstellung im Mund des Patienten. Parallel dazu wird anhand der Abformung ein laborgefertigtes Provisorium hergestellt. Am Abend kommt das ein paar Stunden vorher direkt hergestellte Provisorium wieder runter und das neue wieder drauf. Auch wenn am nächsten Tag bereits die Veneers fertig sind. Ziel ist es, die Arbeitsschritte mit den möglichen Fehlerquellen zu verdeutlichen und einfache Lösungen zu präsentieren.
Das duale Kurskonzept (Praxis und Labor) hat viele Vorteile. Der Zahnarzt kann sich nicht vorstellen, was der Techniker für Probleme hat und umgekehrt. Hier im Kurs werden beide Seiten verdeutlicht. Prof. Dr. Gutowski: „Ich will zeigen, was machbar ist, das ist kein Schauspiel, nix getürkt, um zu zeigen, wie gut ich bin! Ich verdeutliche genau die Schwierigkeiten, die ihr in eurer Praxis erlebt und wie ihr damit umgehen sollt!“ Sein Medium zum Publikum sind die jeweils vorne sitzenden Teilnehmer. Diese Personen werden mit „du“ angesprochen, damit meint er aber alle Teilnehmer!
Während des Intensivkurses wird eins deutlich: Er ist ganz klar der Chef auf der Bühne und sagt, wo es lang geht, was, wie, wann in welcher Reihenfolge gezeigt wird ...
Alle Bohrer, Abformmassen, Materialien jeglicher Art werden mit Namen genannt. Deren Gebrauch wird mit klaren und einleuchtenden Gründen erläutert. Zusätzlich gibt er eindrucksvolle Beispiele: Eine kleine Übung mit Daumen und Zeigefinger aller Kursteilnehmer veranschaulicht die Funktion und das Verständnis für A, B und C Kontakten auf der Kaufläche. Oder die Übung, die man mit seinen Patienten machen sollte, bevor man den Gesichtsbogen anlegt. Des Weiteren zeigt er die Einstellung des volljustierbaren SAM Artikulators anhand der statischen und besonders der dynamischen Okklusion.
Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum werden sofort anhand von logischen Beispielen beantwortet. Der Kursaufbau ist zeitlich gut abgestimmt. In den Pausen wird untereinander fleißig diskutiert. Dabei besteht die Möglichkeit, sich im Detail auf der Bühne z. B. die Meistermodelle anzuschauen. Abgerundet wird die Vorführung durch eine sehr gute Dentalausstellung, auf der alle genutzten Materialien und Geräte gezeigt werden. Dazu kommt, dass auch die anderen Fortbildungsthemen von Prof. Dr. Gutowski auf DVD zu erwerben sind. Zitat: „Ich bin hier auf der Bühne als ihr Freund, nicht ihr Feind. Mein Konzept funktioniert seit 50 Jahren. Ich zeige euch das, was ich von meinen Lehrern gelernt und selber verfeinert habe!“
Am vierten Tag wurden vormittags die definitiven Veneers einzeln eingeklebt. Der Nachmittag diente einer Präparationsdemonstration am Frasaco-Modell. Die zu beschleifenden Zähne und Präparationsarten (Veneer, Hybrid-Veneer, Inlay, Onlay, Krone) wurden von den Kursteilnehmern vorgeschlagen. So konnten noch einmal bestehende Unklarheiten ausgeräumt werden. Die qualitativ sehr gute Videoübertragung hat einen enormen didaktischen Wert und rundet diese hochwertige Fortbildung ab.
Fazit
Es war ein Riesenerlebnis! Das war für mich die beeindruckendste Fortbildungsveranstaltung, die ich bisher besucht habe. Aus meiner Sicht ist es absolut empfehlenswert, Prof. Dr. Gutowski auf solch einer Veranstaltung live zu erleben. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das „Dental Summer Event 2010“ hinweisen. Es findet vom 30. Juni bis 3. Juli 2010 im MARITIM Seehotel Timmendorfer Strand statt und richtet sich an alle interessierten Examenssemester und Assistenten der Zahnmedizin. 250 Anmeldungen, welche sich ab dem 1. Januar 2010 auf der Seite dents.de/ifg registrieren, erhalten zwei Gratisteilnahmekarten für zwei Seminartage nach Wahl! (jede weitere Tageskarte kann zum Sonderpreis von 100€ + MwSt. dazugebucht werden) – günstige Unterbringungsmöglichkeiten finden Sie auch unter www.dental-summer.de. Prof. Dr. Gutowski wird am Samstag, dem 3. Juli 2010 von 09.00–17.00 Uhr zum Thema „Kombiniert festsitzend-abnehmbarer Zahnersatz mit Teleskopen auf natürlichen Pfeilern und Implantaten im parodontal reduzierten Gebiss“ referieren. Wahrscheinlich wird 2010 das Abschiedsjahr nach 30 Jahren auf der Vortragsbühne sein. Deswegen nutzt diese Gelegenheit Prof. Gutowski live zu erleben und meldet euch direkt an! Ansonsten heißt es schon bald „the show is over ...!“ Möge er uns noch lange erhalten und gewogen bleiben …
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