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Deutscher Implantologentag: (zahn-)medizinische Experten im Schulterschluss

Bild: Freerangestock / Jack Moreh

Der Name ist Programm: unter dem Motto „Implantologie vernetzt“ steht auf dem 35. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) der Austausch über die Fachgrenzen von Zahnmedizin und Medizin hinweg. Vom 25.-27. November 2021 soll dieser interzisziplinäre Kongress in Wiesbaden als Deutscher Implantologentag viele Weichen neu stellen – und die Sichtweisen unterschiedlicher Experten und Fachrichtungen auf die Implantattherapie kombinieren. Der Kongress (2G-Regelung) wird als Hybrid-Veranstaltung stattfinden – vor Ort und online am Bildschirm.

Für eine steigende Zahl von Patientinnen und Patienten sind Zahnimplantate die erste Wahl, wenn es um Zahnersatz geht. Zahnärztinnen und Zahnärzte implantieren pro Jahr schätzungsweise 1,3 Millionen dieser künstlichen Zahnwurzeln als Träger von Zahnersatz. Die künstlichen Zahnwurzeln aus Titan oder Keramik tragen Kronen und Brücken, geben Zahnprothesen festen Halt und verankern kieferorthopädi­sche Apparaturen.

Mehr Implantationen

Neben den Möglichkeiten der modernen Implantologie – minimal-invasive Konzepte und/oder kürzere Behandlungszeiten – sind ein weiterer Grund für die steigenden Implantationszahlen auch die schwindenden Kontraindikationen.

"Noch vor wenigen Jahren rieten die Autoren von Lehrbüchern von Implantaten eher ab, wenn Patienten an der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, an Osteoporose oder schweren Herz­ Kreislauferkrankungen litten", sagt Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden. Dies hat sich geändert. Entsprechend steigt die Zahl der Patienten, die von Implantaten profitieren.

Mehr Risikopatienten

Doch es gibt auch eine Kehrseite dieser positiven Nachricht: Zahnärztinnen und Zahnärzte müssen sich auf eine steigende Zahl von Risikopatienten einstellen. Dafür sorgen der demographische Wandel, die Epidemiologie chronischer Krankheiten und komplexe medizinische Therapien. „Etwa ein Drittel der Patienten über 25 Jahre, die sich in zahnärztlicher Behandlung befinden, tragen Risikofaktoren“, rechnet Professor Grötz vor.

Zeit für Zusammenarbeit

Die neuen Möglichkeiten der Implantattherapie erfordern den Schulterschluss der Fachdisziplinen. Darum richtet die DGI ihren 35. Kongress als "Deutschen Implantologentag" erstmals gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI) und der DGI-Nachwuchs-Organisation Next Generation aus.

Andere zahnmedizinische und medizinische Fachgesellschaften bringen als Gast-Gesellschaften ihre jeweilige Expertise in diese Veranstaltung ein: Die Deutschen Gesellschaften für Parodontologie, für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien, für Ästhetische Zahnmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin. Für die US-amerikanische Perspektive sorgt die Academy of Osseointegration.

Die Präsidenten des Kongresses, Prof. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden) und Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas (Mainz), wollen durch Kooperation nicht nur Weichen für die zukünftige Entwicklung der Implantologie und ihre Integration in die (Zahn)medizin neu stellen, sondern auch neue Wege in der Zusammenarbeit zwischen den zahnmedizinischen und medizinischen Disziplinen beschreiten. „Wir wollen Gemeinsamkeiten deutlich machen und ein klares Signal für die Zukunft senden“, betont Professor Al-Nawas.

Kooperation ist Programm

Diese Notwendigkeiten spiegeln sich auch im Programm des Kongresses wider. Geht es beispielsweise um die Themen Bakteriämie, Endokarditis, Mundhöhle und Mikrobiom referieren Experten aus den Bereichen Parodontologie und Innere Medizin. Geht es um Materialien, Unverträglichkeiten und immunologische Aspekte, stehen Experten aus drei Bereichen auf der Bühne: aus der Prothetik, der Implantologie und der Inneren Medizin.

Implantologie bedeutet mehr als fehlenden Knochen aufzubauen

„Es reicht heute nicht mehr aus, zu sagen, dass man komplexe Augmentationen beherrscht, um verloren gegangenen Kieferknochen aufzubauen“, sagt Professor Grötz. Vielmehr gelte es, den Patienten als Ganzes zu sehen mit allen Faktoren, die seinen Gesundheitszustand ausmachen. Kurz: Aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte erfordern die meisten Patientinnen und Patienten die Sichtweise verschiedener Disziplinen, die zusammenarbeiten und sich austauschen müssen. Nur dann können vorbelastete oder erkrankte Patientinnen und Patienten erfolgreich behandelt werden.

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