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Warum Deutschland keinen Ärztemangel, sondern ein Verteilungsproblem hat

Bild: Freerangestock / Jack Moreh

Ärztemangel in Deutschland lässt sich öffentlichkeitswirksam thematisieren. Allerdings sollte die Diskussion nicht auf der Basis veralteter Zahlen zu den Medizinstudienplätzen geführt werden, wie jetzt in der ARD-Sendung „Report aus Mainz“ vom 12.11.19 geschehen.

Kaum ein Land hat mehr Ärztinnen und Ärzte als Deutschland. Diese müssen aber in modernen Versorgungsstrukturen arbeiten können und durch Anreize für eine Tätigkeit auch auf dem Land gewonnen werden. Die aktuelle Anzahl der Medizinstudienplätze an staatlichen Fakultäten beträgt 11.145 (für das Sommersemester 2019 und das Wintersemester 2019/20). Darüber hinaus gibt es mit Standorten in Witten, Neuruppin und Hamburg drei nicht staatliche Einrichtungen mit über 300 Studienplätzen, die zu einem deutschen Medizinabschluss führen. Hinzu kommen neue staatliche Fakultäten und Zweitcampusmodelle, die entweder bereits gegründet sind oder sich im Aufbau befinden.

„Rechnet man die in den Bundesländern bereits konkret geplanten Aufstockungen hinzu, werden wir in absehbarer Zeit mehr als 12.000 staatliche Medizinstudienplätze haben. Dazu kommen die verschiedenen privaten Angebote, die sich über Studiengebühren finanzieren“, erläutert Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages. „Das Grundproblem sind allerdings nicht die fehlenden Studienplätze, sondern vielmehr der wenig effiziente Einsatz und die unausgewogene regionale und fachliche Verteilung der Ärztinnen und Ärzte. Daher muss sich die Diskussion auf die Umstrukturierung des Gesundheitssystems und eine bedarfsgerechte Verteilung konzentrieren. Immerhin verfügt Deutschland laut OECD-Zahlen schon heute über eines der besten Verhältnisse von praktizierenden Ärzten zu Einwohnern.“, so Wissing weiter.

Eine Antwort auf die Problematik gibt das Gutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung des Gesundheitssystems aus dem Jahr 2018. Es adressiert zwei wesentliche Aspekte: 1. eine angebotsinduzierte Nachfrage durch Krankenhäuser und 2. ein erhebliches Verteilungsproblem zwischen strukturschwachen und strukturstarken Regionen. Das KBV-Berufsmonitoring Medizinstudium bestätigt diese Entwicklungen und macht deutlich, dass Medizinstudierende konkrete Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf als Ärztinnen und Ärzte haben. Es zeigt auch, wie sich diese Vorstellungen innerhalb der letzten Jahre gewandelt haben. Im Vordergrund stehen heute vor allem familienfreundliche Arbeitszeiten und eine Beschäftigung im Angestelltenverhältnis. Dass sich dies auf die Versorgungssituation auswirkt, kommt nicht überraschend. Aus diesem Grund müssen bestehende Versorgungsmodelle dringend reformiert werden. Erst in einem zweiten Schritt sind Studienplätze koordiniert und entsprechend finanziert aufzubauen.

„Der ARD-Beitrag scheint mit heißer Nadel gestrickt zu sein, da selbst die Analyse des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung darauf eingeht, dass die Prognose des Ärztebedarfs von weiteren Entwicklungen abhängt. Anstatt auf die komplexeren Zusammenhänge einzugehen, schildert die Redaktion insbesondere emotionale Einzelfälle“, so Martin Jonathan Gavrysh, Vizepräsident für Externes der bvmd. „Die finanziellen Mittel sind begrenzt, entsprechende Mehrausgaben sind nur dann gerechtfertigt, wenn diese gesellschaftlich verantwortet werden können und entsprechend der Qualität der Gesundheitsversorgung auch zu Gute kommen. Eine unkoordinierte Aufstockung der Studienplatzkapazitäten ohne einen Wandel der Versorgungsstrukturen und Arbeitsbedingungen wird nur ein teures Fass ohne Boden sein“, ergänzt Aurica Ritter, designierte Präsidentin 2020 der bvmd. „Auch im Hinblick auf eine zunehmende Integration digitaler Technologien sowie einer verstärkt notwendigen interprofessionellen Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe ist eine Lösung etwaiger Versorgungsengpässe mit zahlenmäßiger Aufstockung nicht im Sinne einer zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung”, so Ritter weiter.

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